Alain Frast
Ups and Downs
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© 2010 Alain Frast
 

22.05.2010 – 10 Tage voller Chaos und Überraschungen

10 Tage vergehen manchmal wie im Fluge. So richtig bewusst wird man sich dessen allerdings erst, wenn man aus irgendeinem Grund dazu verdonnert wird, das Leben nicht als aktiv daran Beteiligter sondern eher als Zuschauer zu „genießen“.

Als ich am 13. Mai nachmittags aus dem Krankenhaus kam, dachte ich nicht, dass ich bereits ein paar Stunden später wieder dort landen würde. Der nachsichtige Arzt sollte Recht über den, Ja, Ja, sturen Frast behalten, der unbedingt nach Hause wollte….

Das ganze Wochenende haben die Ärzte damit verbracht meine Lunge zu stabilisieren, mehr als drei Liter Flüssigkeit wurden mir herausgesogen, damit ich am Dienstag morgen operiert werden konnte. Hinzu kam am Montag die erste Chemotherapie die wie geplant durchgezogen wurde. Es durfte nicht mehr gewartet werden.

 

Alles in allem scheint soweit alles gut verlaufen zu sein. Wie ich die Chemo vertrage wird sich nächste Woche wohl erst zeigen. Das Lungenproblem hält mich dieses Wochenende weiter hier im CHEM gefesselt. Hoffe, dass auch das am Montag in Ordnung ist, denn wenn mir etwas am Meisten fehlt, dann unser Zuhause, meine gewohnte Umgebung, unsere Balkons, Blumen, meine Musik, meine Bücher…..

Angesichts eines Patienten wie mir, kann ich meine Ärzte allerdings sehr gut verstehen wenn die womöglich ausbaldowert haben, dass ich ein bisschen länger in ihrer Obhut zu bleiben habe ;=) Sie haben mir damit sogar einen Gefallen getan.

Ich hatte Zeit auf eine andere Weise über verschiedene Menschen, Umstände, etc. nachzudenken als ich dies wohl zuhause hätte tun können. Man ist in einer neutralen Umgebung wie einem Krankenhaus vorbehalt- und rücksichtsloser sowohl gegenüber der eigenen Argumentation als auch dem worüber man argumentieren soll.

In den letzten 10 Tagen haben verschiedene Menschen mich wieder grenzenlos überrascht. Andere haben mich maßlos enttäuscht. Über beides wird zu gegebener Zeit noch geredet werden müssen.

 

 

13.05.2010 - Maacht et op kee Fall ewéi ech!

Falschen Houffert oder Zécken (aus watfir engem Grond och ëmmer) fir säin Dokter unzeruffen wann et engem schlecht geet, sinn net ubruecht. Dat hunn ech haut geléiert.

Als Préparatioun op meng éischt Chimio, déi ech den nächste Méindeg kréien, kruut ech virun dräi Deeg eng gudd Dosis Vitamin B12. Ob et elo dorunner läit oder nët kann ech net novollzéien, ma zanter en Dënschdeg kruut ech ëmmer manner Otem. Paralell sin ech d’Waasser net méi lass ginn.

Ganz schlëmm war et dunn gëschter. Déi klengsten Ustrengung ass begleedt ginn vun Hyperventiléieren, Otmen mam Bauch (steenhaart) oder mam Zwerchfell war net méi dran. Ech hu just nach no Loft geschnaapt. Zanter zwee Deeg vu Schlof keng Spuer.  Bols permanent bei 120,130 a méi.  An awer hun ech ménger Doktesch net ugeruff!

Wa méng besser Halschecht net gewiescht wier, wier ech wuel iergendwann erstéckt. Hien huet mech an den Auto gepaakt an ass mat mer an d’Urgence gefuer. E gudde Liter Waasser an der Long, kee Sauerstoff méi am Bludd etc…..

No 4 Stonne si mer erem heem gefuer. Ech hu giess an dunn emol geschlof.

Fazit: Ech kéint mech selwer rennen.

Gudde Root un Iech all: Maacht et net ewéi ech an dësem Fall ma rufft Ärem Dokter un wann der mierkt datt Äre Kierper amgaangen ass Iech e „mauvais tour“ ze spillen.


07.05.2010 - Och ech si keen Iwwermënsch

Trotz allem Optimismus deen ech ausstrahlen, an deen einfach méngem Naturell entsprécht, wëll ech Iech net verheemlechen, dass och ech schwaach Momenter hunn. Se si wuel ganz selten, ma et gëtt se awer.

Wann ech a méngem Tagebuch bliederen, dat ech zanter dem 8. Abrëll erem méi regelméisseg féieren ewéi déi Jore virdrun, da fannen ech der bis elo dräi.

De 17. Abrëll war zum Beispill esou een. Et koum aus heiterem Himmel. Et war schéi sonnegt Wieder, eise klenge Balcon a méng Blummen hu gelakkelt, ech hu gelies, Musék gelauschtert, méng Hausaarbecht gemaach….kuerz: ech war zanter dem Kaffidrénken Moies um 7 Auer ganz einfach gudd drop wéi mer sou soen.

Ëm zwou Auer hun ech mech dunn awer ë bësse musse leeë goen, a wéi ech um 4 Auer erem waakreg gouff, dunn huet d’Sonn dobaussen zwar nach ëmmer geschéngt, ma a méngem Kapp war Däischtert.

Ech suutz um Canapé, an hun aus heiterem Himmel ugefaange mat Kräischen. Panik an Angscht sin iwwer mech komm. Vill Froen. Weest de alles iwwer déng Krankheet? Geet alles gudd aus? Wat ass wann d’Therapie net uschléit? Kannst de déngen Dokteren vertrauen? Hues de eng Chance fir z’iwwerliwen oder musst de stierwen?

Am Schlëmmste war dee Moment d’Angscht virum Doud. Fir mech kann ech net soen, dass ech Angscht virum Doud hunn. Dee gehéiert wéi d’Gebuert eben zum Liewen, a wat duerno kënnt ka souwisou keen eis soen. Ech hat dee Moment net Angscht derfir ze stierwen, ma ech war verzweifelt well ech dee Moment Leit zeréck misst loossen déi ech déi leschte Joren esou schrecklech vernoléissegt hunn.

Virop ass do mäi Partner mat deem ech elo 14 Joer zesummeliewen, an da vill Frënn a Bekannten déi ech praktësch lénks leie gelooss hun, well ech soi-disant keng Zäit a méi „wichteg“ Saachen ze dinn hat.  Ech muss dach eng Chance kréien en Deel vun deem wat ech falsch gemaach hunn erem gudd ze maachen! Ech wëll och all déi Leit net aleng loossen. Ech wëll bei hinne bleiwen.

Panik an Angscht si schlecht Beroder

Esou Panik- oder Angscht-Attacken dauere bei mir glécklecherweis net laang. No enger véirel Stonn ass an der Regel erem alles paletti, an den Optimismus ass nees do. „Allez hop, Frast. Rapp dech elo! Bouge le c…, maach elo eppes an da weider et geet“, soen ech mer dann.

Ech fannen, dass een esou „schwaach“ Momenter net vu vir eran ënnerdrécke sollt. Se si wichteg an et kann ee vill aus dëse Momenter léieren. Et duerff een hinne just net erlaaben d’Iwwerhand z’iwwwerhuelen. Panik an Angscht sin an ALLE Liewenslagen schlecht Beroder. Wann sie bis dominéieren, da bass de  verluer.

04.05.2010 - Notwendige Anpassung + schlechtes Gewissen = Stolz oder: NO COCOONING PLEASE!

Am Samstag und Sonntag haben wir zwei Tage in Salzburg verbracht. Mein Lebenspartner wurde während in die große Intercoiffure-Familie aufgenommen. Nach fünf Jahren Aufbauarbeit für unsere beiden Geschäfte, dem Titel „Institut de Soin Kérastase“ vor vier Jahren, war dieses Wochenende für ihn ein weiterer großer Schritt. Ich musste dabei sein, hatte Anfangs Bedenken, eine meiner Ärztinnen nicht. „Mais allez-y Monsieur Frast“.

Seit mein Leben von Medikamenten und den obligaten Ruhepausen getaktet wird, habe ich mich mit den neuen Lebensumständen abgefunden. Im heimischen Rahmen fällt das leicht. Man tut etwas, werkelt ein wenig herum, streicht etwas neu, macht Hausarbeit, erledigt Büroarbeit, liest, hört Musik, geht eine Stunde spazieren. Mehr als eine oder anderthalb Stunden Anstrengung oder Konzentration schaffe ich jedoch teilweise nicht. Dann muss sich hingelegt werden. Der Körper braucht dann Ruhe.

Im häuslichen Umfeld geht das, ist es zur Gewohnheit geworden. Wie würde ich das jedoch in Salzburg schaffen? Ich würde nicht überall dabei sein können, nicht alles mitmachen können. Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber vor unserem Salzburg-Trip hatte ich Angst nicht auf der Höhe dessen sein zu können was in einem so wichtigen Augenblick von mir verlangt wird. Heute weiß ich, dass außer mir selbst niemand etwas von mir verlangte. Zurückfallend in alte egoistische Denkschemata hatte ich das liebevolle Verständnis meines Partners und der Menschen von Intercoiffure Luxembourg außer Acht gelassen.

Trotz aller Bedenken also: am Samstag früh, ab in die Geburtsstadt Mozarts! Wegen meiner besseren Hälfte, aber auch wegen Mozart ;=), den ich sehr mag. Noch so eine Geschichte von „Ich habe kein Zeit“. 2006, zu Mozarts 250. Geburtstag, habe ich mir einen CD-Koffer mit der Gesamtedition seiner Werke schenken lassen. Zwei- oder dreimal legte ich mir seither eine CD auf, hörte ein paar Minuten hin um dann wieder gedanklich abzuschweifen. Keine Zeit, du musst noch dies und das…

Seit wann gelingt es mir ein Concerto, eine Oper oder eine Symphonie von Anfang bis zum Ende zu hören, zu genießen, auf mich einwirken zu lassen? Right you are! Seit der Krebs mit gezeigt hat, dass man sich die Zeit für gewisse Dinge einfach nehmen muss. Damit im Taumel des Alltags der Geist nicht verkümmert.

Der Begrüßungsabend mit über 500 Menschen im Stieglkeller war nach der Reise anstrengend. Zu laut, zu stickig, zu warm. Nach zweieinhalb Stunden war für mich Schluss. Ich musste zurück ins Hotel, brauchte dringend Ruhe, eine Stunde Lesen oder Tagebuch schreiben, irgendwas, nur raus.

Das schlechte Gewissen meldet sich. Du kannst ihn doch jetzt nicht alleine lassen? Er soll sich nicht gezwungen sehen, den Abend frühzeitig deinetwegen zu beenden. Tut er auch nicht. Gott sei Dank!

Am Sonntagmorgen um 10.00 dann die Diplomüberreichung. byTun wird offiziell Intercoiffure byTun. Ich bin stolz wie ein Pfau als ein doch etwas nervöser Tun über den Laufsteg geht um die Ernennungsurkunde entgegenzunehmen.  Freue mich für Tun, für uns.  Es ist eine weitere wichtige Etappe die wir geschafft haben. Und ich war dabei. Undenkbar, dass ich ihn bei diesem großen Augenblick alleine gelassen hätte!

Gegen Mittag, nach zweieinhalb Stunden, kommt sie wieder, die Erschöpfung. Ich muss zurück ins Hotel, Medikamente schlucken, mich eine Stunde ausruhen, vor allem da ich mich für zwei Uhr mit der Ehefrau eines ICD-Mitglieds für einen Salzburg-Rundgang verabredet habe. Mozart- Wohn- und Geburtshaus, mit der Festungsbahn zur Festung Hohensalzburg für einen grandiosen Blick über Salzburg und Umgebung, und zur Krönung ein paar echte Mozart-Kugeln von Fürst für zuhause. Ein toller Nachmittag!

Nach gut zwei Stunden brauchte der Körper wieder Ruhe. Um 19.00 Uhr war schließlich noch das Gala-Dinner in der Residenz am Domplatz angesagt. Drei Stunden halte ich es diesmal aus, bis gegen 22 Uhr, dann ist wieder Schluss. Ich lasse meinen Partner schon wieder alleine! Rede ein paar Mal auf ihn ein, dass er unbedingt bis zum Ende bleiben muss. Er tut es. Gott sei Dank!

Fazit – no cocooning please!

Die kleine Reise war ein Erfolg, für ihn, für mich, für uns. Alle meine Bedenken wegen Salzburg waren umsonst. Kleinlich. Ichbezogen. Hätte ich das Verständnis, das man mir entgegenbrachte, eher erkannt, hätte ich mir mein das schlechte Gewissen ersparen können.

Und das ist es: Erkennen Sie diese Verständnis! Es wird Ihnen deren mehr entgegengebracht als Sie denken. Auch wenn dieses Verständnis sich hinter Begriffen wie Mitleid oder Bedauern verstecken sollte, ist es der Ausdruck menschlichen Verständnisses für die Situation eines anderen. Und nur darauf kommt es an.

Und noch etwas: Bewegen Sie sich. Sperren Sie sich nicht in der vermeintlichen Sicherheit ihres Zuhause ein. No cocooning please! Gehen Sie unter Menschen. Auch und gerade wenn sie krank sind. Bewegung, Tapetenwechsel, Menschen begegnen, all das tut Ihnen gut. Ihrem Körper und ihrer Seele.

some pictures from a great trip

 
 

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